Weinhaus Bluhm eröffnet in neuem Gewand

Quelle: Allgemeine Zeitung
Von Maike Hessedenz

MAINZ - Fast zweieinhalb Monate musste Pierre Stadelmann auf seine geliebte Küche verzichten – ab sofort kann er wieder am Herd werkeln, Fischsupp‘ kochen und mit den Gästen palavern. Seit Freitag ist das Weinhaus Bluhm offiziell wiedereröffnet. Pierre und seine Tochter Murielle Stadelmann haben dem alteingesessenen Mainzer Weinhaus ein neues Gesicht verpasst – „ohne die Tradition des Hauses zu vernachlässigen“, sagt Murielle Stadelmann.

Die Wände wurden geweißt, es gibt eine neue Beleuchtung, urige Deko mit alten Kaffeemühlen und karierten Vorhängen; vor allem aber hat sich das Weinhaus Bluhm eine neue Küche gegönnt – inklusive Vollkonzession. Bislang hatte das Lokal lediglich eine Konzession für eine sogenannte Aufwärmküche; ab sofort dürfen sich Pierre und Murielle Stadelmann allerdings so richtig am Herd austoben. „Unsere Gäste können bei uns nur etwas trinken, sie können eine Kleinigkeit essen, aber auch ein Hauptgericht bestellen“, erklärt Murielle Stadelmann.

Es gibt die typischen Weinstuben-Gerichte, unter anderem Handkäs‘ mit Musik (6,90 Euro), Spundekäs-Variation mit drei verschiedenen selbstgemachten Spundekäs‘-Interpretationen (7,90 Euro), warme Fleischworscht mit Senf und Kartoffelsalat (7,50 Euro), Käseplatte, Weinbergschnecken und mehr. Für den großen Hunger steht unter anderem „Pierres Fischsupp‘“ (17,50 Euro), Murielles Hackbraten (14,50 Euro) oder das jede Woche wechselnde Wochengericht auf der Karte. Samstags gibt es ab 11 Uhr Austern, Weiderind Roastbeef, dazu Starkbier. Neben Wein finden sich nämlich auch verschiedene regionale Biere aus Rheinhessen und Frankreich auf der Karte, unter anderem Eulchen Bier, ein Kastanienbier aus Korsika oder ein Bio-Bier aus Frankreich.

Regelmäßige Blindverkostungs-Spiele

Die Weine stammen hauptsächlich aus einer Blindverkostung, die gemeinsam mit dem Deutschen Weininstitut ins Leben gerufen worden war. Ausschließlich rheinhessische Jungwinzer hatten ihre Weine angestellt; das 0,2-Liter-Glas Wein gibt‘s ab etwa 4 Euro. Die Jungwinzer sollen auch künftig im Weinhaus Bluhm eine wichtige Rolle spielen, verspricht Murielle Stadelmann: Jahr für Jahr sollen sich neue Winzer für die Weinkarte im Bluhm bewerben können. Außerdem soll es regelmäßig ein kleines Blindverkostungs-Spiel bestimmter Rebsorten für die Gäste geben; „die Gäste sollen bestimmen, welcher Wein einer bestimmten Rebsorte ihnen am besten geschmeckt hat.“

Schon sehr bald soll auch das Nebenzimmer, das „Bauernstübchen“, fertig sein. Eine Wandfreske, die das Gemälde „Die Bauernhochzeit“ von Pieter Bruegel dem Älteren zeigt, kommt hier an die Wand; der Raum kann dann für Gruppen von 10 bis 15 Personen reserviert werden, ansonsten können auch hier die Gäste im Alltagsbetrieb des Lokals Platz nehmen.

„Hier gehöre ich hin“

„Die Menschen sollen sich hier bei uns wohl fühlen, wie zuhause in ihrem Wohnzimmer“, sagt Murielle Stadelmann; ihr Vater Pierre geht da mit gutem Beispiel voran: „Hier gehöre ich hin“, sagt der 65-jährige Mainzer Franzose höchstzufrieden über sich und die Altstadt. Im Bluhm will er alt werden, wünscht sich der Traditionsgastronom, der in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem das „Chez Pierre“ in der Rheinallee, das „Caveau“, das „L‘Escalier“, den „Templer“ und zuletzt das „Chez Pierre“ in Klein-Winternheim betrieben hat. „Das hier ist meine letzte Patrone.“